1. CSD Landshut 2019

Julia Bomsdorf ist als Vertretung von LeTRa und des CSD Münchens nach Landshut gefahren.

Hier könnt ihr Julias Redebeitrag nochmal nachlesen:

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Auf der Suche nach Inspiration und in Vorbereitung auf meinen Beitrag hier, habe ich mich etwas mehr mit der  niederbayrischen Lokalpolitik auseinandergesetzt. Da bin ich natürlich auch über den hinreißenden Landrat Dreier gestolpert. Ich will gar nicht viel meiner kostbaren Redezeit damit verbringen über ihn zu sprechen, bei meiner Recherche bin ich jedoch auf sein Lieblingszitat, wie er es auf seiner Facebook-Seite angibt, gestoßen:

"Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." - Antoine de Saint-Exupery

Dass in diesem Zitat nur die Rede von Männern ist, lassen wir jetzt mal außer Acht und beziehen es auf alle.

Ich glaube man kann sagen, dass uns alle hier niemand Sehnsucht lehren muss. Jede und jeder von uns, sehnt sich nach einer besseren, gerechteren, weniger dunklen Welt, In der wir alle so sein können, wie wir sind. Doch was wird einem viel zu oft darauf entgegnet? Sinngemäß klingt es wie „Also, sorry, aber das geht jetzt zu weit. Dann lieber doch einreihen und die Aufgaben erledigen, die wir dir geben.“Was, soll man Menschen entgegnen, die aus Sehnsucht nach einem besseren Leben wortwörtlich weite, endlose Meere überqueren?“ Sorry, diese wünschenswerte Sehnsucht nach Gutem, das gilt nur für weiße, Biodeutsche.“?

Sehnsucht nach Glück, nach Sicherheit für sich selbst und die Liebsten, kennt keine Grenzen, keine Kategorien. Kein Geschlecht, keine sexuelle Orientierung, keine Hautfarbe.

Doch zu oft wird weiterhin das Recht, Sehnsucht nicht nur zu empfinden, sondern auch etwas zu ihrer Erfüllung zu tun, nur bestimmten Menschengruppen zugestanden. Und das nennt sich Rassismus, Homophobie, Transphobie, Antisemitismus und hat noch tausend andere Gesichter und Namen. Und diese Formen von Menschenfeindlichkeit kosten tagtäglich Leben, in Deutschland und in der restlichen Welt.

Das vielbesprochene Meer steigt und der Meeresspiegel steht uns langsam bis zum Kinn.

Eigentlich habe ich nicht das Gefühl, hier groß Appelle an die Leute, die vor mir stehen, aussprechen zu müssen, so viele engagierte Menschen wie ich hier bis jetzt getroffen habe. Mein Aufruf ist deswegen stattdessen: Macht so weiter! Hört nicht auf, lasst Euch nicht unterkriegen. Unterstützt Euch gegenseitig und traut euch, nach Hilfe zu fragen. Und helft denen, die es tun.

Mein Appell jedoch an die, die nicht hier sind, die von Sehnsucht reden, aber selbst nie wissen werden, was es bedeutet sich sein eigenes Leben grundsätzlich anders wünschen zu müssen: denkt doch einfach mal nach. Sucht nach dem bisschen Menschlichkeit in Eurem Herzen, das es braucht, um Menschen als Menschen zu sehen und nicht als große Massen, die man als Flut oder Wellen abstempelt und unterdrückt. 

Die „Homolobby“ ist überall und dieses Multikulti, vor dem alle so Angst haben, gab es schon bevor die deutsche Regierung selbst Menschen aus anderen Ländern eingeladen hat, um das aufzubauen auf das „Wir Deutschen“ ja ach so stolz sein sollen.

Wir werden nicht weggehen, wir werden nicht weniger und wir werden nicht aufhören!

 

Julia Bomsdorf beim BR2 Tagesgespräch: Was hat die Schwulen- und Lesbenbewegung erreicht?

Julia Bomsdorf und Achim Bogdahn im Studio

 

Am 28.06.19 war Julia Bomsdorf zu Gast bei Achim Bodgan als Expertin im Tagesgespräch zu Gast. Thema war: In der Nacht auf den 28. Juni 1969 wurden in der New Yorker Christopher Street Homosexuelle Opfer einer Polizeirazzia. Mal wieder - doch das brachte das Fass zum Überlaufen. Was hat sich seitdem verändert - für Schwule, Lesben und Trans*menschen? Sind wir als Gesellschaft offener, toleranter geworden? Was bleibt zu tun?

Das Video lässt sich hier anschauen, die reine Audio-Version (auch zum runterladen) findet sich hier.

IDAHoBiT 2019 - Redebeitrag

 

Auch wir waren beim diesjährigen IDAHoBIT dabei. Hier könnt ihr Julia
Bomsdorfs Redebeitrag nochmals hören, sehen und lesen. Das Video findet ihr hier: LINK. Wir freuen uns sehr darüber, wie viele Menschen gekommen sind und bei der anschließenden Demo mitgelaufen sind! Solidarität über alle Grenzen hinweg, gemeinsames Kämpfen für unsere Rechte! Unten findet ihr die Niederschrift des Redebeitrags, oder hier ein PDF zum Download.

Niederschrift der Rede:

Geschätzte Menschen

Ich stehe hier als Vertreterin meiner Arbeitsstelle LeTRa. Allerdings stehe ich hier auch als queerer Mensch und als Teil der LGBTIQ-Community.

Es berührt mich auch deswegen persönlich sehr, so viele Menschen hier zu sehen, die sich für eine vielseitigere und buntere Welt einsetzen.

Ihr seid eine deutliche Ankündigung der bevorstehenden gesellschaftlichen Umbrüche.

Auch wenn viele sich nicht als politisch aktiv definieren, ist jeder Tag, den wir in diesem patriarchalen und kapitalistischen System leben, lieben und überleben, ein Akt des Widerstands

Rechtspopulisten und andere Menschenfeinde sind laut, aber wir können lauter sein.

Mein Appell:

Es ist an der Zeit, sich zu widersetzen.

Es ist an der Zeit, laut und deutlich zu widersprechen.

50 Jahre Stonewall - wir dürfen nicht zulassen dass unsere gemeinsame Geschichte in Vergessenheit gerät! Und ganz besonder betone ich hierbei das Wort GEMEINSAM.

Stonewall was a riot - und ein Zusammenschluss aus Transmenschen, People of Colour, Frauen, Männern und allen dazwischen und darüber hinaus. .

Bitches, butches, dykes und divas - um es mit Sookees Worten zu sagen.

Setzt euch für eure Rechte und Freiheit ein! Für euch und die, die heute nicht hier stehen können.

Geht erhobenen Hauptes in die Öffentlichkeit, kommt zu den CSDs und seid laut. Feiert, seid raumeinnehmend und zeigt, dass wir da sind und nicht weggehen werden.

Wir müssen aber nicht nur FÜR Uns und unsere Rechte auf die Straße gehen - sondern uns auch deutlich und öffentlich GEGEN Rechtspopulismus, Sexismus, Angriffe auf ALLE Mitglieder des LGBTIQ-Spektrums und leider noch gegen sehr viel mehr aussprechen.

Ein deutliches NEIN muss nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu hören sein.

Zeigt denen, die gegen uns agieren, dass sie eben nicht für eine schweigende Mehrheit sprechen, sondern eine scheiternde Minderheit bleiben.

Es gibt zahlreiche Gruppen, Organisationen und Vereine, die nur auf euch warten. Jede Hand und jeder Kopf kann sich einbringen. Wir freuen uns auf Euch.

Wir alle könnten stundenlang über diese Themen reden, wichtig ist jedoch auch, dass alle zu Wort kommen und alle Stimmen gehört werden. Deswegen halte ich mich jetzt kurz und sage an dieser Stelle nur noch: Prost! Auf eine schöne Demo, auf einen schönen kommenden CSD, auf ein schönes Leben und: Auf UNS.